Sie haben bei f/2,8, 1/125 Sekunde und ISO 100 sauber belichtet und wollen nun auf f/8 abblenden und auf ISO 400 gehen. Von 2,8 auf 8 abzublenden kostet drei Stufen Licht, ISO 100 auf 400 bringt zwei davon zurück — unterm Strich fehlt eine Stufe, die Zeit muss sich also verdoppeln. Der Rechner nennt 0,0163 Sekunden, als Bruch 1/61; an der Kamera stellen Sie 1/60 ein.
Zusätzlich steht der Lichtwert dabei, umgerechnet auf ISO 100. Für das Beispiel oben sind es EV 9,9 — für die alte wie für die neue Kombination derselbe Wert, und genau das ist die Probe darauf, dass die Umrechnung stimmt. Helles Sonnenlicht liegt bei rund EV 15.
Eine Stufe ist eine Verdopplung
Eine Stufe ist doppelt oder halb so viel Licht, und alle drei Größen erzeugen sie, nur mit unterschiedlichen Zahlenreihen. Die Zeit verdoppelt sich schlicht, 1/125 auf 1/60. Der ISO-Wert verdoppelt sich ebenso, 100 auf 200. Die Blendenzahl dagegen wächst in Schritten von √2, also 1,4 / 2 / 2,8 / 4 / 5,6 / 8 / 11 / 16 — denn durch die Öffnung fällt Licht nach ihrer Fläche, und die Fläche wächst im Quadrat des Durchmessers.
Die aufgedruckte Reihe ist dabei gerundet. Drei Stufen ab 2,8 wären exakt 7,92 und nicht 8, weshalb der Rechner mit Ihren eingetippten Zahlen auf 1/61 kommt statt auf die glatten 1/62,5 — ein Unterschied von zwei Prozent oder 0,03 Stufen, weit unter allem, was sich überhaupt einstellen lässt. Kameras arbeiten heute in Dritteln: ein Drittel ist beim Licht der Faktor 1,26, bei der Blendenzahl der Faktor 1,12, daher die Reihe 2,8 / 3,2 / 3,5 / 4.
Gleiche Helligkeit heißt nicht gleiches Bild
Die Rechnung hält die Helligkeit konstant, sonst nichts. Mit 50 mm Brennweite, drei Metern Abstand und dem für Kleinbild üblichen Zerstreuungskreis von 0,03 mm reicht die Schärfe bei f/2,8 von 2,73 bis 3,33 Meter, ist also 60 Zentimeter tief; bei f/8 sind es 2,34 bis 4,19 Meter und damit 1,85 Meter — gut das Dreifache. Bei APS-C rechnet man mit rund 0,02 mm, dann fällt die Schärfezone in beiden Fällen schmaler aus. Zwei Aufnahmen, gleich hell belichtet, und trotzdem zwei verschiedene Bilder.
Beim ISO-Wert ist es dieselbe Geschichte mit anderem Preis. ISO 400 statt 100 heißt, dass der Sensor ein Viertel der Photonen bekommt; weil das Rauschen mit der Wurzel des Signals wächst, halbiert sich das Signal-Rausch-Verhältnis in etwa, und der Spielraum in den Lichtern schrumpft um ungefähr dieselben zwei Stufen. Der Rechner rechnet Licht, nicht Absicht: Er sagt Ihnen, welche Zeit die Helligkeit hält, nicht, mit welcher der drei Größen Sie dafür bezahlen sollten.
Was der Lichtwert aussagt
Der Lichtwert fasst die Helligkeit einer Szene in einer einzigen Zahl zusammen, unabhängig von der gewählten Einstellung: EV100 = log2(N²/t) − log2(ISO/100). Die alte Sonnenscheinregel, im Englischen Sunny-16-Regel — f/16, 1/125 Sekunde, ISO 100 bei klarem Sonnenschein — ergibt EV 15,0. Ein Wohnzimmer am Abend liegt zwischen EV 5 und 7; f/2 bei 1/30 Sekunde und ISO 100 sind EV 6,9.
Praktisch ist das, weil jede Kombination mit demselben EV dieselbe Helligkeit liefert: Handbelichtungsmesser und die Skalen älterer Kameras sind genau darauf aufgebaut. Ein höherer ISO-Wert ändert den Lichtwert der Szene übrigens nicht — er ändert nur, welche Einstellungen Sie dafür brauchen. Deshalb bezieht der Rechner den Wert immer auf ISO 100, damit zwei Situationen vergleichbar bleiben.