Ein ECTS-Punkt steht nicht für eine Vorlesungsstunde, sondern für den gesamten Arbeitsaufwand: Präsenzzeit, Vor- und Nachbereitung, Prüfungsvorbereitung. Der europäische Rahmen setzt dafür 25 bis 30 Zeitstunden an, deutsche Hochschulen meist 30.
Ein Studienjahr umfasst 60 Punkte, also 1 500 bis 1 800 Stunden. Das entspricht ungefähr einer Vollzeitstelle — genau so war das System auch gemeint.
Warum das Semester rechnerisch voll ist
30 Punkte in einem Semester bei 30 Stunden je Punkt sind 900 Stunden. Verteilt auf zwanzig Wochen sind das 45 Stunden pro Woche — mehr als eine Vollzeitstelle, und die vorlesungsfreie Zeit ist dabei schon mitgerechnet.
Wer die Rechnung nur auf die vierzehn Vorlesungswochen legt, kommt auf über sechzig Stunden. Deshalb ist die Semesterferienzeit im ECTS-System keine Freizeit, sondern der eingeplante Teil für Prüfungen und Hausarbeiten.
SWS und ECTS sind zwei verschiedene Dinge
Semesterwochenstunden zählen nur die Zeit im Hörsaal: Eine Veranstaltung mit 2 SWS bedeutet zwei Stunden pro Woche im Semester, also rund 28 Zeitstunden Präsenz. Die zugehörigen 5 ECTS entsprechen dagegen 150 Stunden.
Der Rest — gut 120 Stunden — ist Eigenarbeit. Wer den Aufwand am Stundenplan misst, unterschätzt ihn deshalb regelmäßig um den Faktor vier bis fünf.