Drehmoment ist Kraft mal Hebelarm. Hundert Newtonmeter bedeuten hundert Newton an einem Meter Hebel — oder 333 Newton an dreißig Zentimetern, was der üblichen Länge eines Drehmomentschlüssels entspricht.
Deshalb ist die Angabe eines Anzugsmoments ohne Hebellänge vollständig: Das Moment ist die maßgebliche Größe, und der Schlüssel rechnet die Kraft für seine eigene Länge selbst um.
Drehmoment und Leistung
Leistung ist Drehmoment mal Winkelgeschwindigkeit. Ein Motor mit 300 Newtonmetern bei 2 000 Umdrehungen leistet rund 63 Kilowatt, derselbe Wert bei 6 000 Umdrehungen dagegen 188 — dasselbe Drehmoment, dreifache Leistung.
Deshalb sagt das maximale Drehmoment allein wenig über die Fahrleistung. Ein Diesel mit viel Drehmoment bei niedriger Drehzahl fühlt sich kräftig an, während ein hochdrehender Benziner mit weniger Drehmoment mehr Leistung abgibt.
Anzugsmomente sind kein Richtwert
Die Angaben in Reparaturanleitungen gelten für sauberes, trockenes Gewinde. Geöltes Gewinde reduziert die Reibung so stark, dass dasselbe Drehmoment eine deutlich höhere Vorspannung erzeugt — bis zur Überdehnung der Schraube.
Deshalb steht in Anleitungen oft ausdrücklich „trocken“ oder „geölt“ dabei, mit unterschiedlichen Werten. Wer das übersieht, zieht bei geöltem Gewinde effektiv um zwanzig bis dreißig Prozent zu fest an.