Die Flesch-Formel misst Lesbarkeit an zwei Größen: der durchschnittlichen Satzlänge und der durchschnittlichen Silbenzahl je Wort. Kurze Sätze aus kurzen Wörtern ergeben einen hohen Wert, lange Sätze aus langen Wörtern einen niedrigen.
Die Originalformel stammt aus dem Englischen. Toni Amstad hat sie 1978 für das Deutsche angepasst, weil deutsche Wörter im Schnitt mehr Silben haben — mit der englischen Fassung fällt jeder deutsche Text zu schwer aus.
Was der Wert bedeutet
Über 70 gilt als leicht: kurze Sätze, alltägliche Wörter, wie in einer Boulevardzeitung. Zwischen 50 und 60 liegt normale Sachprosa, unter 30 wird es schwer — dort finden sich Gesetzestexte und wissenschaftliche Aufsätze.
Behördentexte landen regelmäßig unter 20. Das liegt selten an schwierigen Gedanken und meist an Schachtelsätzen und Substantivierungen: „Die Inanspruchnahme der Leistung setzt die Vorlage voraus“ statt „Sie brauchen dafür einen Nachweis“.
Wo die Formel an ihre Grenzen kommt
Sie zählt Silben, nicht Sinn. Ein Text aus kurzen Sätzen mit unverständlichen Fachwörtern bekommt einen guten Wert, obwohl ihn niemand versteht — und ein gut gebauter langer Satz kann leichter sein als drei abgehackte kurze.
Der Wert taugt deshalb als Warnlampe, nicht als Note. Wenn er unter 30 fällt, lohnt der Blick auf die längsten Sätze; steigt er nach dem Umschreiben deutlich, hat man meist wirklich etwas verbessert.